Text: Florian Reiter


Kleber - Ein Montag eben

Kleber in der Kneipe

Ein bisschen beunruhigt hatte mich die alte Schwanz nun schon. Spargel stechen für einen Hungerlohn, nur damit ich die paar mickrigen Kröten Stütze weiterhin bekomme... So eine Scheiße! Das konnte es nun wirklich nicht sein, was das Schicksal für mich vorgesehen hatte. Dann verzichte ich lieber auf die Stütze und gucke, wie es mit ehrlicher Arbeit derzeit aussieht. Ehrliche Arbeit? Huaaaa. Irgendwie juckte es mich am ganzen Körper bei dem Gedanken daran. Ich musste was gegen dieses Gefühl unternehmen. Also sah ich mich um und fand auch direkt, was ich suchte: „Willi´s Bierakademie“. Dort fühlte ich mich irgendwie gut aufgehoben als Akademiker mit Alkoholproblemen.

„Moin Willi. Ein Korn und ein Pils und das ganze bitte extrem ruckartig“, kündigte ich an, dass die gemütliche Zeit im Lokal nun bereits Geschichte war und setzte mich an die Theke. „Ich heiße Margarete und nicht Willi. Willi war der Vorpächter dieser Kneipe“, erwiderte die Wirtin, die mir gar nicht so unknackig erschien. Sie war etwa mein Alter – also Ende 30 – hatte rot gefärbte Haare, eine relativ gute Figur, die von zwei riesigen Titten gekrönt wurde. Und sie wusste um diese Vorzüge – sonst hätte sie nicht so weit in ihre Bluse blicken lassen. Also bandelte ich auf meine unnachahmlich charmante Weise mit der Wirtin an. „Draußen steht aber nicht Margaretes Bierakademie sondern Willis. Also musst du Willi sein oder für Willi arbeiten. Alles andere übersteigt meinen Intellekt“. Die Wirtin verdrehte genervt die Augen und schien den zwei Herren gegenüber – 100% Stammgäste und Vollalkoholiker – einen Blick zuzuwerfen, der so viel sagte wie „Was für ein Arschloch“. Und damit war sie bei mir ja nun genau richtig! „Der Blick den Sie den beiden Herren da eben zugeworfen haben: Sollte der heißen: Was für ein Arschloch oder eher: Na endlich mal wieder ein Gast, der nicht komplett Alkoholiker ist und der sogar sprechen kann ohne zu stottern und eventuell sogar noch einen hochkriegt“? Der Satz erzielte natürlich seine Wirkung. Leider auch bei den zwei Alkis von Gegenüber. Eigentlich wollte ich doch nur in Ruhe mein Bierchen bei Willi trinken. Und was war jetzt? Der eine 1,95 große Alkoholiker hielt mich fest während der zweite 1,99 große Alkoholiker mir drei Mal aufs kräftigste in die Magengrube schlug. Gemeinsam schleuderten sie mich dann unter ihren besten Wünschen („Verpiss dich du Schwuchtel, wenn du dich noch mal blicken lässt, geht´s richtig rund,“ et cetera pp) vor die Kneipentür. Gerne hätte ich ihnen noch mit auf den Weg gegeben, dass sie wohl zuschlügen wie kleine Mädchen aus dem Kindergarten. Aber leider bekam ich erst wieder richtig Luft, als die beiden schon längst wieder an der Theke gesessen haben. Während ich noch überlegte, ob ich noch mal mit Margarete reden sollte wegen des Kneipenschildes, sprach mich eine ältere Dame an: „Junger Mann, ist alles in Ordnung bei Ihnen? Ich habe gesehen, wie die beiden Rüpel Sie da eben misshandelt haben. Wollen Sie sich das etwa gefallen lassen? Ich würde die Polizei rufen an Ihrer Stelle“. ‚Scheiße Mutti, warum hältst du nicht einfach die Klappe’ dachte ich. Aber mein angeborener Respekt vor älteren Menschen ließ mich anderes sagen: „Obrigkeitsgeile alte Hexe. Ich helfe mir immer selbst! Die Polizei! Ich glaub, ich spinne“, sagte ich höflich und ließ die Alte stehen.

Weiter geht´s >>>