Text: Florian Reiter


Kleber - Ein Montag eben

Kleber beim Arzt

Auf dem Heimweg taten mir die Eier dann doch wieder sehr weh. Also beschloss ich kurzerhand die Praxis meiner Hausärztin aufzusuchen, um ihr von meinem Missgeschick zu berichten und eine Portion Linderung zu erhalten. Nach einer halben Stunde Warten, hatte ich eigentlich schon wieder die Schnauze voll. Was bildet diese Doktorenschlampe sich eigentlich ein? Jeder Idiotenpatient wird da wegen einer leichten Atemwegsreizung mit einmaligem Hustenreiz stundenlang bemuttert und wenn ich dann nachher dran bin, muss wieder alles schnell-schnell gehen. Ich war schon auf dem Weg zur Besuchertoilette, um Dampf und Urin abzulassen, als ich dann doch endlich aufgerufen wurde. „Herr Kleber bitte“, flötete die Arzthelferin, die mich ein wenig an Pamela Anderson, das geile Schwedenluder erinnerte. Ähnlich blond, ähnlich volle Lippen, nur beim Vorbau hatte sie wohl vergessen „Hier“ zu rufen. Naja, Frau Anderson hat ja auch widernatürlich nachgerüstet obenrum. Also war hier auch noch Hoffnung. Die noch mit großen Titten. Lecker... Ich wurde unsanft aus meinen Träumen gerissen. „Herr Kleber. Dass Sie immer noch hierher kommen. Nach Ihrem letzten Auftritt“, begrüßte mich Frau Doktor Dreher, die Ärztin der die Männer misstrauen. Ich zumindest. Deshalb habe ich letztes Mal auch laut schimpfend die Praxis verlassen. Ich musste mir doch von der frigiden Alten keine erektilen Dysfunktionen unterstellen lassen! Da sie das aber getan hatte, war ich laut schimpfend aus ihrer Praxis spaziert. Das ein oder andere böse Wort mit F war wohl auch gefallen. Aber ich war nicht nachtragend. Mal sehen, wie Frau Doktor das sah.

„Was fehlt Ihnen denn Herr Kleber? Wieder mal ein Problem in der Körpermitte, wenn ich Ihre Körpersprache richtig deute“, fragte die blöde Kuh und irgendwie glaube ich, hat sie innerlich gegrinst dabei. „Was meinen Sie denn mit wieder mal, geschätzte Kollegin“, fragte ich. „Naja, an meine Diagnose vom letzten Mal wollten Sie zwar nicht so recht glauben, aber da ging es doch um Durchblutungsstörungen im Genitalbereich, wenn ich mich richtig entsinne? Wieso Kollege? Ich wusste nicht, dass Sie Mediziner sind“, war sie mir erstmals auf den Leim gegangen heute. „Ich habe einen Erste-Hilfe-Kurs erfolgreich absolviert vor einigen Jahren. Sozusagen Medizinstudium light, Frau Kollegin“, gab ich ihr einen mit. „Mir hat eine wildgewordene Furie mit ihrem Fuß in den gut durchbluteten Genitalbereich getreten. Die Schmerzen haben mich in Ihre Praxis getrieben. Eine Selbstbehandlung fiel mangels eigener Praxis aus“. „Na dann lassen Sie mal die Hosen runter, Doktor Kleber. Oh Gott! Na Sowas! Das habe ich noch nicht gesehen. Sehen Sie sich mal die Farbe an. Andrea, denken Sie das ist ein Blau- oder eher ein Lilaton“, fragte die Arztsadistin Pamela Anderson. Diese kam dann auch direkt vor meine runtergelassene Hose, um sich intensiv der Betrachtung meiner Blöße hinzugeben. „Vielleicht können wir die Herrschaften im Wartezimmer auch noch um eine Farbdiagnose meiner Hoden bitten, Frau Kollegin. Vielleicht können wir aber auch tun, was wir bei Hippokrates und dem Bart des Propheten geschworen haben – und das ist helfen, verdammt“, musste ich doch schon wieder laut werden. „Aber, aber Herr Kleber. Wer wird denn hier gleich wieder einen Eiertanz aufführen“, fragte die Ärztin, während sie sich mit ihren gummibehandschuhten Fingern meinem derzeitig wundesten Punkt näherte.

„Was zum Kuckuck haben Sie vor“, fuhr ich sie an. „Ich werde ihre Hoden abtasten müssen, um eine Diagnose stellen zu können, was genau Ihnen fehlt. Ärzte machen das gewöhnlich so. Wenn Sie Halsschmerzen haben, schaue ich in ihren Rachen, wenn sie Schmerzen im Fuß haben, taste ich den Fuß ab. Und auch im Schambereich kann auf diese seit tausenden von Jahren bewährte Tastmethode nicht verzichtet werden“, sagte sie in einem leiernden, langsamer werdenden Tonfall, so als ob sie mit einem unartigen Kind spräche. Sie wusste, wie sehr mich das auf die Palme brachte. Da bin ich mir hundertprozentig sicher. „Aua“, schrie ich laut auf, als mir Frau Doktor Arschgeige die Hoden quetschte. „Sie haben absichtlich viel zu fest zugedrückt! Ich werde dafür sorgen, dass Sie die Approbation verlieren, wenn Sie mich hier weiterhin foltern“, herrschte ich sie an und bereute es im nächsten Moment. „Auaaaa“, ließ sich die Sauärztin nicht von meinem Geschrei beeindrucken. „Ah ja, das scheint mir eine sehr, sehr starke Hodenprellung zu sein. Eine sehr, sehr, sehr, sehr, sehr starke... Hodenprellung...“ nuschelte die Ärztin in ihren imaginären Bart. Als ich mich schon langsam wohl zu fühlen begann – bin ich ein verkappter Masochist, ging es mir durch den Kopf – setzte sie die finale Hodenpresse an.

Ich glaube, dass ich kurz ohnmächtig gewesen bin vor Schmerzen. Danach ließ ich willenlos alles mit mir geschehen. Eisspray, eine glibbrige Salbe und noch mal Eisspray. Ich hatte mit dem Leben abgeschlossen und wusste jetzt, wie sich Frauen bei der Geburt fühlen müssen. So oder so ähnlich – aber nie im Leben schmerzhafter – muss sich das Wunder der Geburt für eine Frau abspielen. Meine Eier wurden dann noch irgendwie in Watte gepackt und ich bekam ein Rezept mit auf den Weg. Es standen wohl irgendwelche Hammerschmerzmittel drauf für den Notfall. Ich habe das alles nur noch wie im Traum erlebt. Ich wollte nur noch raus, ich wollte nur noch saufen.

Und dann sah mich Pamela Anderson zum Abschied auch noch schweinelüstern an. Ich bin mir ganz sicher: sie wusste, dass sich mir allein bei dem Gedanken an eine Erektion, sämtliche Eingeweide vor Schmerzen zusammen ziehen würden. Aber mir fehlte einfach die Kraft, sie für diese Sauerei zur Schnecke zu machen.

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